16. Februar 2017 | Hanau

Big Data Summit 2017

Dr. Stefan Schwarz: "Daten verändern unsere Welt"

09. Februar 2017

Dr. Stefan Schwarz ist Direktor Business & Management Consulting bei Teradata und Sprecher beim Big Data Summit 2017. Wir haben mit ihm vor seinem Live-Vortrag am 16. Februar in Hanau über die Chancen des „Data Driven Business“ gesprochen.


„Data Driven Business“ ist eines der Schlagworte der digitalen Transformation. Die Digitalisierung selbst ist aber auch eine immense Herausforderung für Firmen. Sie unterstützen große Unternehmen dabei. Verraten Sie uns dazu mehr?
Stefan Schwarz: Wir alle kennen Slogans wie „Data is the new Oil“ – diese sind zum Teil schon recht abgegriffen, beschreiben aber trotzdem die Transformation sehr anschaulich. Denken wir nur einige Jahre zurück. Damals waren Daten häufig mehr „ein notwendiges Übel“, für das alleinig die IT-Abteilungen der Unternehmen Verantwortung trugen. Dies hat sich grundlegend und unwiderruflich geändert. Daten sind mittlerweile zu einem wichtigen – in einigen Unternehmen dem essentiellsten – Produktionsfaktor geworden. Ein Beispiel ist eBay. Das Unternehmen besitzt kein einziges physisches Produkt, sein gesamtes Geschäftsmodell basiert auf Daten. Diese Daten und neuartige, analytische Verfahren legen den Grundstein für innovative und erfolgreiche Geschäftsmodelle. Die Unternehmen erzielen so Margenvorteile, die ohne die Transformation nicht möglich gewesen wären.


Können Sie uns ein Beispiel hierfür geben?
Schwarz: Nehmen wir die Automobilindustrie. Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, stellte etwa fest: „Mercedes-Benz wandelt sich vom Automobilhersteller zum vernetzten Mobilitätsanbieter, wobei der Mensch – als Kunde und Mitarbeiter – immer im Mittelpunkt steht. Damit entwickeln wir das Unternehmen konsequent weiter und sichern unsere Zukunftsfähigkeit ab“ (Quelle)
Gerade auch diese für Deutschland extrem wichtige Schlüsselindustrie steht am Anfang einer fundamentalen Revolution. Von einer Industrie, deren Kern darin bestand, Automobile zu produzieren, hin zu einem Unternehmen, das Mobilitätskonzepte verkauft. Natürlich war es auch in der Vergangenheit immer ein erklärtes Ziel, möglichst genau den Wünschen der Kunden zu entsprechen und es fand immer schon extrem viel technische Innovation statt. Das Kernprodukt blieb aber prinzipiell über Jahrzehnte das Gleiche: ein physisches Fahrzeug, das in der Regel an einzelne Kunden verkauft wird („Asset Sale“). Dies wird es auch in der absehbaren Zukunft weiterhin geben. Allerdings kann man schon heute den klaren Trend zum Wandel dieser Unternehmen vom Asset Sale zu einem Service-Unternehmen feststellen. Die Unternehmen denken zunehmend darüber nach, wie sie nicht noch mehr Autos verkaufen, sondern Mobilitätsdienstleister des Kunden werden können. Nicht ganz unerwähnt dürfen natürlich auch die neuen Unternehmen bleiben, die schon heute - wie beispielsweise Uber - Mobilitätsdienstleistungen ganz ohne die Produktion eines physischen Automobils anbieten.


Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Themen wie Big Data und innovative Analysemethoden?
Schwarz: Letztendlich geht es nicht nur um Big Data, sondern eher um All Data, also die Kombination ganz vieler verschiedener Datenquellen – strukturierte Daten wie beispielsweise Stammdaten oder Daten aus Fließtext und Videos. Heute ist die Frage nicht mehr „das eine ODER das andere“, sondern es geht darum, möglichst alle relevanten Informationen gemeinsam zu betrachten. 
Natürlich sind viele Datenquellen erst in den letzten Jahren hinzugekommen. Denken wir nur an die Datenströme des Internets der Dinge (Internet of Things, kurz IoT). Sensor- und Maschinendaten aus quasi allen Lebensbereichen ermöglichen noch nie dagewesene Prozessinnovationen und auch ganz neue Geschäftsmodelle. Denken Sie beispielsweise an Audis Revolution in der Produktion - weg vom Fließband hin zu 200 flexibel kombinierbaren Montagestationen. Aber auch die Umgestaltung unser aller Lebensbereiche durch Themen wie Smart Home, Smart City oder Connected Car werden nur durch IoT ermöglicht. Man kann heute sogar schon die Verknüpfung aller letztgenannten Themen erkennen. Etwas pointiert zusammengefasst kann man sagen: Daten verändern unsere Welt.
All das wäre natürlich ohne neue analytische Methoden nicht vorstellbar. All die oben erwähnten Datenströme müssen handhabbar gemacht und effizient analysiert werden. Darüber hinaus muss die Analyse häufig auch neuen Anforderungen gerecht werden. Nennen möchte ich hier zum Beispiel die Synchronisation von verteilten analytischen Ecosystemen – z.B. im Bereich Connected Car – oder die (near) Realtime-Anforderungen in einigen Bereichen in der analytisch unterstützten Telemedizin, aber auch in sich autonom optimierenden Produktionsumgebungen. 


Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in diesem Zusammenhang? Ersetzt sie zukünftig mehr und mehr den Menschen?
Schwarz: Künstliche Intelligenz hat aus meiner Sicht in Bezug auf Ihre Wertschöpfungskraft zwei Dimensionen. Zum einen erlaubt künstliche Intelligenz Daten, die vorher überhaupt nicht sinnvoll auswertbar waren, nun auf intelligente Weise zu erschließen. Denken Sie hier beispielsweise an die Millionen oder Milliarden von Datensätzen von Sensoren in einem Maschinenpark. Diese waren durch herkömmliche Analysemethoden und schon gar nicht durch menschliche Intelligenz in der Tiefe zu durchdringen. Heute können Methoden der künstlichen Intelligenz bei der Lösung derartiger Aufgabenstellungen helfen und etwa auch vorher unbekannte, oft kleinste Anomalien aus dem Grundrauschen dieses Daten-Tornados herausfiltern, kategorisieren und zum Teil sogar autonom Handlungsempfehlungen daraus ableiten. 
Zum anderen gibt es natürlich heute schon die Möglichkeit, die Bearbeitung abgegrenzter Aufgabenbereiche durch Systeme der künstlichen Intelligenz zu unterstützen oder auch komplett durch solche Systeme zu übernehmen. Zumindest im Hier und Jetzt schaffen es die aktuellen Systeme nicht, menschliche Intelligenz in der Breite zu ersetzen. Die menschlichen kognitiven Fähigkeiten sind in diesem Maßstab heute immer noch unerreicht und werden es wohl – trotz jüngster Erfolge – auch noch eine Weile bleiben. Ich teile auch nicht die Befürchtung, dass die Revolution der künstlichen Intelligenz generell zu Lasten der Menschheit verläuft, sondern diese – ähnlich wie die industrielle Revolution in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts – mittelfristig die Lebensqualität vieler Menschen grundlegend verbessert. 


Was bedeutet das konkret für Deutschland?
Schwarz: Manche vermuten zwar, dass sich das jährliche Wachstum des deutschen BIP durch Data Driven Business verdoppelt. Aus meiner Sicht ist diese Frage allerdings quantitativ noch gar nicht zu beantworten. Wir stehen gerade am Anfang dieser Revolution und es ist ja gerade die Natur der meisten Revolutionen, dass ihr genauer Ausgang bei ihrem Beginn kaum vorhersagbar ist. 
Bezogen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland meine ich allerdings schon, dass hier im internationalen Vergleich besonders gute Voraussetzungen für überdurchschnittliche Produktivitätsschübe durch das Data Driven Business liegen. Faktoren, die hier aus meiner Sicht zu nennen sind, sehe ich neben vielen weiteren in der vergleichsweise hochqualitativen Infrastruktur, der guten Akzeptanz neuer Technologien und in der Innovationskraft der deutschen Industrie.
 

 

Dr. Stefan Schwarz hält am 16. Februar im Hanau einen Vortrag zu dem Thema "(R)Evolution des CRM zum Household Relationship Management (HRM)". Mehr Infos zum Programm des Big Data Summit 2017 finden Sie hier.

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